Der Neujahrsgruß 2013/14

Neujahrsgruss 2014 der Muthesius Kunsthochschule

1 Etwas, das wie ein Reiserbaum mit frostigen Ästen weiß ist. 2 Zu pflückende Beeren pflücke ich, zu sammelnde Beeren lese ich. 3 Meine Brüste sind wie Backtröge, und meine Hüften und Füße sind Teigsprossen. 4 In ein in den Firstbalken der Stube gebohrtes Loch schließe ich mich ein. 5 Aus einer Quelle, die dreimal sprudeln müßte, gieße ich Wasser in die Tasse. 6 Ich bin mit einer Lindenholzflinte geschlagen worden, aber nicht geschossen. 7 Ich bohrte mit dem Stock Löcher in zwei Höcker und stell mich auf den Rücken des Dritten. 8 In einer Schale wie ein Schädel schwimmt mein Auge. 9 Ich nimm einen Stein und binde den Stein an das eine Ende eines Seiles, weißt du? 10 Wie ein rogler, beweglicher Stein klappert, wackelt meine Kappe. 11 Auf einem Felsenstein-Findling, schiefglatt geschliffen, glitt’sch ich nicht. 12 Hufformen schlug ich mit vierzig Erlennägel in die Pferde. 13 Aber die Bachstelze badet nicht im Fluß, sie watet. 14 Und ob Rute, ob Stock schlugen oder nur berührten die Tiere, bin ich ihr Hirte? 15 In Froschhaut eingesackte Nüsse esse ich und Zäpfchen der Esche. 16 Die Schaben am Weg sagen: es wird immer Regnen oder Schneegestöber geben. 17 Man schnitt aus meiner Ferse Krümel von vier-fünf Füßen. 18 Die Stückchen und Splitter der vielen Kühe buk ich stets mit. 19 Ich hüpfe wie ein Frosch in seinem Pfühl hüpft. 20 Anstatt der Elster deren Herz habe ich im Kuhstall begraben. 21 Vom Holz einer Föhre geschnitz­te Raspel-Balken als Schärholz für die Balz. 22 Die Wollkratzer haspeln geknüpft längere Schlingen. 23 Meine Mützen sind abgenutzt, und verschleißt ist mein Stutzer.

24 Der Schnee knebelt, quert und verbrüht meine Füße. 25 Das Gegebene habe ich bekommen und das Gesäte habe ich geerntet. 26 Wie zwischen die Zinken einer Mistgabel gespackte Schinken. 27 Schnaderndes, taubes Gras: wie Strick-Zungen-verkäute, runzelig verlitzte Wringhäute. 28 Die Wolke versprosst Zorn-schnobernd die Rosse. 29 Harziges Kienholz, das sich mit Eis-Stichnadeln überzieht. 30 Ich bin unrund und klein und bloß voller Ecken und Knoten. 31 Ich sticke Tüpfelchen im Traum, kein Fäschen Garn. 32 Ich bin zu jung, um nur in Erde zu wurzeln. 33 So lang, wie die Eiszapfen an den Dach-Rofen hängen, hoher Hafer. 34 Wie ein mich imitierender, mit Selchdärmen versehener Kadaver im Kaminrauch pfaucht. 35 Faserigen Bast schnalzte ich zu Runzel-Zungen auseinander. 36 Ich sang wie der Klang der Glocke dröhnt, im Kopf. 37 Ich spielte, wie die vorüberfliegenden Bienen auf Haferähren rasten. 38 Aber ich nähte mir einen Pelz aus Bärengebräme. 39 Vom Giebel tropft ein Knäuel Fließ-Seim in klebrigen Tressen. 40 Die Mäher werden meine Nester brennen, treten und versengen. 41 Ein struppiger Hahn zappelte; er starrt und stakst, wie Krallen nadelten die Schwaden. 42 Die Axt war ziemlich zerschmiedet und springend. 43 Den Fuchsbalg schnüre ich in Lappen und schubse ihn in eine Wuhne. 44 Oben fliegen elf, zwölf Wölfe, fangen kann ich sie nicht, sie fliegen. 45 Ich habe keine Gabel, die Felle der Bälger aufzuspannen. 46 Der langrüsseligen Fliegen, die wie Fuseln sinken, sind so viele. 47 Aus meinen Schnitz-Wimpern sticht ein Stachelhalm Pupillen nach allem. 48 Als liegender Kieselstein war ich moosern, glasmurmelglatt als rollender. 49 Ein Schmalzmagen im Netz, an dem die Blaumeise pickt. 50 Mein Bauch baumelt am Baum und zerplatzt als Schwalbe. 51 Ich habe Steinchen aufgeschlagen und hohl gehobelt. 52 Drei große Wellen wollen kommen, zwei noch und noch größere Wellen. 53 Knorpel, die hornartige Axt hat meine Knick-Markbeine ausgehackt. 54 Ich spie Speichel, und das Verspeite wurde Stein. 55 Flachnasiges Vieh wiegt sich im Kreisel-Takt der Peitsche. 56 Wer hilft mir, meine zwei Hände für ein Bein allein aufzustellen. 57 Ein Bauchfellpelz wie sieben auseinandergerissene Kopfkissen. 58 Mein Speichel trieft kieslig in den Kehricht. 59 Hügel, übersät von Pfählen, die voll mit Köpfen stecken. 60 Man ersticht mich mit Messern und pulvert in die Wunde. 61 Wie ich töte? Ich mische, ich verrühre und braue. 62 Am Balken ist ein wie ein bärtiger Viehpriester aufgehängtes Biest. 63 Die Lochschere ist ein Messer mit zwei Ösen und wie zwei Spieße Spleißen. 64 Ich habe einen wie eine Schale falzhalsigen Kopf als Trog, offen. 65 Mein Kopf ist eine Knolle voller Nadeln, auseinanderblasend als Koralle. 66 Habe ich im Töten, im Beißen und gewandter jetzt jemanden getötet und gebissen? 67 Ich ging zur Hütte und beginn zu häuten und zu schinden die Beute. 68 Dann wirbelt je eine kleine Feuersäule auf und bricht ab, im Rauch. 69 Wie einmal elf zwölfköpfige Sphingen einander bissen. 70 Wie Milch am Strickhalfter gerinnt, und ich bin der Schlitten. 71 Wie mein Glück reift und schwimmt als Lilie Bügel in die Strömung. 72 Ich gehe durch Wälder, ich zertrete die krautige Streu. 73 Oft trotte ich doch nur und stoß mich an den vorstolpernden Fuszeln und Staupen. 74 Daß es, wie Zapfen auf Blätter und Dörrgras fallen, so raschelt. 75 Zwischen Wehr-Pfosten geflochtete Fischzäune aus gepress­tem Reisig. 76 Ich horche in der Größe einer ungeschälten Nuß durchs Wurmloch. 77 Beim Anhaken der Tiere einen vergabelten Haselzweig habe ich vergraben. 78 Spanreusen, mit Kehlen an jedem Ende der Wenter. 79 Wie vom Heftelpflock gezupfte Wollknollen hechelten. 80 Aus Espenholz getschuppte, noch rutschigere Fußstapfer. 81 Ich kimme das Innere selber der Gefäße. 82 Von welcher Form, in Strudeln drin tobelnd, sollte ich denn sein? 83 Wie fallende, in hohle Tonscha­len geschüttete Beeren prasseln? 84 Ich sage nichts vom Vergraben des Darmkadavers im Schafstall. 85 Ich falle wie aus Zisternen gepflanzte Wasser-Astern in die Kiste. 86 Ziehe der sumpfscheckigen Elster die Hautfetzen ab, ein ganzes Fell. 87 Alle halten sich die Hände auf den Bülten der Halligen und Marsch? 88 Mit einem Pflug, den ich glühend machte, zieh um den Wendesaum der Felder. 89 Als ich Prügel wie ein trockener Stock entzwei ging, erschrick ich. 90 Mein großer Bock ist doch etwas sehr trächtig fett. 91 Als Kind des Binders griffe ich Birnen, als Vater und Sattler aber nicht zum Apfel. 92 Langsam ginge ich, und schnell werde ankommen ein dann anderer. 93 So, wie Nistelstern gerupft sind, soll man mich schinden. 94 Hinter dem Sund hechelten und bellten mit zwei Zungen ein Uhu und sein Hund. 95 Ob meine Augen blind tun, wie Bülten und Tunk-Priele im Winter? 96 Stampfen in der Schispur, nicht drüber, nicht drunter. 97 Wie zwei in die Türbeutel der Zelte gestellte Flickzwirns-Säckchen. 98 »Beiß Holz, iß«-sagend bück ich mich über die wie Stäbe geschafteten Bolzen zum Acker. 99 Mein Tun ist das Kämmen und Hämmern von Bastrippen in der Darre. 100 Herab strömender Regen; mein Herrgott will Weizen geben und Gerste ernten. 101 Es sterben die besten, die sprechen konnten, und einige, die redeten, siechen sich. 102 Ich bin ein das Fädchen ins Öhr einfädelndes gewesenes Mädchen. 103 Totholzdocke, wie zwischen dem stielsichelförmigen Schaft zerschnitzteren Puppen. 104 Ich bin ganz bestimmt eher sein Peiniger als ein Späher. 105 Zwirnlitzen, fast flüssig: hier hingen meine ganz vielen Füße. 106 Ich spellte mich vorwärts, bis die Ebene zu Bergen aufsteht. 107 Splitt’serte und spatz’ste wie Ast-schal schilpende Sperlinge, nur wer? 108 Wölfe sehe ich, wie Schakale gelb an ihrem Fell, und sie heulen abscheulich. 109 An der Quelle, und an der Stelle, wo siebzig Ströme zusammenfließen. 110 Auch wenn ich sage, da war eine Wolke, ist es Wolke wohl keine. 111 Grauweiß im Hitzegeflimmer der Luft pulvriger Staub. 112 Hechtköpfe schwimmen als Inseln mit Augen in suppigten Pfützen. 113 Bewirte ich die Lärchen mit Elsebeeren erdwärts samt selbergelben so Speierlingen? 114 Und mein Handschuh packt die stierste Kuh an ihrem Horn. 115 Mein Kopf hat etwas trollartig Knorr’ziges an sich, verwittert und schmitzig. 116 Rauchfeuer aus Heu und Lilien sind ganz bald aufgewulstet. 117 Über den Schwaden gleitet ein krummer Ruß-Kamm. 118 Ich eß nur Kren und Rettich ohne Tränen, ohne Brot. 119 Wie Birkenrißfackeln und Harzlöffel brennen und versengen. 120 Ich blies meine Zieseltrompete und vertummelte das Vieh. 121 Mein Tritt ist ein stücks in Rinnen vergrabener, schlitteriger Strick. 122 Ich binde einen aufgedröselten Strick zum Pendeln an den Kübel. 123 Die Knoten am Ende der Schnürchen sind Knochen. 124 Ich erschrak als Rabe und starb als Krähe. 125 Oft flogen die Schwäne fort in eine leblosere Steppe zum Sterben. 126 Fädselrote Wolle an ihren wie sichelig gelackten Sensenblattlappen verrosteten die Quasten. 127 In welcher Menge beim Melken die Milchwirtel sind? 128 Ich habe Rei­sige gerissen und in Büscheln Nüsse gehäckselt von den Ästen. 129 Lange, bläulich gestreute Kernschatten worfelten die Farne Saat auf alles Moos. 130 In den Wundspalt grannen schon zu Blutknollen gegossene Brocken. 131 Ich stopfte Magen, Adern und Gedärme mit etwas Speck und Speichel in den Kessel. 132 Ich streckte mich als Riemen und biege mich wie ein Strick lasch durch die Mitte. 133 Zwischen Genick und Widerrist zerschwitztes Kirnfett aus den Poren der Mähre. 134 Schon trinkt mein Pferd aus dem oft glänzenderen Meer der Verschönerung. 135 Herabhängende Stroh-und Holzzapfen, wie Tropf-Schoten lose von den Rofen. 136 Wie ich mich zur Zeit des Pflügens verirrte in den Frühling der Felder. 137 Hölzer, zwischen denen beim Weben Kamm und Rahmen fast verklammerten. 138 Binde neun Bäume, drei an drei Plätzen, oder auch zwei und drei an neun anderen Stellen. 139 Wie in tief eingefurchte, blockerfüllte Schluchten ein Schlitten stürzt. 140 Die Hausschwalbe hat einen geteilten Schwanz und die Turmschwalbe viel gelbere Kehlchen. 141 Mein quirlwüchsiges Stapfpferd schient und verwirbelt mit dem Schlitten sehr schweren Schnee. 142 Feuertausend, Flammen-hundert Pulverbalken gluten und alle Flammen zueinander glanderten. 143 Filzkissen aufs Stilzchen zum Sitzen als noch viel schlimmere Hürde. 144 Finger und Zehe, ihre Knöchelchen knickten und hurnigelig Glieder fielen mir Erfrierendem zu. 145 Es bliesen Toten­trompeten, sie ertönten wie Untiere. 146 Wie ein im Ofen vergessenes, zu Brei verrührtes Brot sott kochende Wolken. 147 Es spukt: ein Schuh t’sickt im Lehm, das war schon das ganze Gespenst. 148 Daß ein mausernder Schwan weint, wie ein mauserndes Schwein schnalzt. 149 Eine dreiästige, mit Knüppelchen gezüchtigte Zwergweide. 150 Eine Deichsel, deren querer Teil zwei Seitenzweige beider gabelt. 151 Diese Riege wiegelt die Gerstspelz gerösteten Rispen-Bindselchen durch Siebe. 152 Keine fünf Schritte von der Hütte dicht und häufiger plumpse ich mitunter. 153 Doch weil das bißchen Wasser zur Taufe nicht reicht, wusch ich mich damit? 154 Docken-Garben schneidest du, und ich will die Puppe maßgeschneidert haben. 155 Als ich einen Sommertag lang gefaltene Seide war. 156 Ein solches Vieh werde den Herbst nicht sehen, wenn zwei Tiere wie vermutet sich verknoten. 157 Durch durch den Sumpf, durch den Bruch durch renn’de ich dichte und lange Fluchten. 158 Ein Stein weint nicht, der Stein macht mich weinen. 159 Ich habe Markknochen unten in den Waden und im Nacken starke Adern. 160 Die Trosse sind aufgedröselt wieder und mit Drehknebeln festgezurrt an Sprossen. 161 Ich hüpf nicht über die Sense, schnitzig, ich habe sie nur geschwungen und bin selbst gesprungen. 162 Die von Zunderstücken einer Kienspanfackel verletzen Fettklauen und Augen. 163 Ich habe in die zerfaserten Haseläste der Gabel aber spitze Kieselstü­cke gesteckt. 164 Die Suppe brennt, und der Topf schwimmt über in der Glut. 165 Ich habe wenig Späne zum Durchstochern der Zähnchen. 166 Mit meiner Fliegenpilzstimme zersungene Heische- und Viehlieder. 167 Wie Fleisch in Fetzen zer­reißende und ganz stachelig zerfranste Wundhufen von unten. 168 Die tief wie in Tuff eingerissenen Wasserrinnen machen mir zu schaffen. 169 Ich rupfe den Palmbast ab vom Flieder haariger Akazien. 170 Tiere, die ich striegelte, gerieten in den Sumpf und ertrinken. 171 Diese Biestvieh-Blüten sind ein Amselschwarm an Schnürchen ganz kleiner Schnäbel. 172 Dort ist eine baumlose Strecke zu erfliegen für die Ernte. 173 Drei Haare entnahm ich heimlich einem mit Blutlappen ver­pappten, klebrigen Schwimmblasen. 174 Die Sonne badete in allen Wolken und watet wie in Watte. 175 Daß traubenweise Weichseln schaukeln wie auf Weiden. 176 Die Steilwand der Höhle als Gewölbe ist kein Kliff. 177 Vor den Federbestien der verhexten Wälder beschützen mich Raben- und Fraßbiß. 178 Die Sterne scheinen dicht beieinander, es wird wärmer. 179 Die Ruten vieler Pinien peitschten die Striemen breiter Kiefern als Birken. 180 Die Krähe habe mich gesehen, nicht aber Rabe und Ratten. 181 Die Kreppschärpe verwirrte mich im Schnee- oder Windgestöber. 182 Die Kessel sind mit Ösen und Klöppeln buckelig verkupfte Glocken und Becken. 183 Die junge, gelte Stute ritt ich mutiger zu. 184 Gelb und rot bemal­te Blattrippen schmücken die Korbreusen aus Reisig. 185 Die Glocken läuten zur Wiederfindung wieder des Verschwundenen. 186 Die Hacke habe ich den ganzen Tag gesucht, nun liegt sie im Brunnen. 187 Die Herde der Behexungen verdirbt und Schaum hat sich gesammelt um die Roggensaat am Wasser. 188 Die Brachsenschuppen-kleine Wolke ist verrührt in der Brühe. 189 Die Dornsträucher sind voll Hagebutten, und die Moorhorste verrosteten vor Moosbeeren. 190 Die Eier des Hähers werden entzwei getreten. 191 Wie die Axt, die den Sarg gezimmert hat, timbert. 192 Diese Filz-Blüten elf zusammengefiederter Fliederbisse. 193 Der Weg zieht sich als in der Wegsteppe verworrener Werg. 194 Die mit dem Beil gespaltenen und entkernten Wedel der Federn. 195 Ein Schwengel ist mit Binsenhäcksel gemischt und Schlamm zum Heben der Eimer. 196 Hinunterfliegende Funken schlug ich hinauf, und die hinauffliegenden Funken schlüge ich herunter. 197 Nur Klepper mit verschwärzter Blesse habe man zum Rappen. 198 Den Netzwurf nenne: das eine Ende laß am Pflock festgebunden vom Ufer. 199 Den wurmigen Leib reibe ich mit den Flügeln der zerdrücktesten Insekten. 200 Der Ameisenhaufen harzt als ein in Faul-Laubhäufen aufsiedender Kessel kocht. 201 Ein Berg hat sich als Göpel-Mühle gedreht so hingestellt. 202 Der Boden der Ebene bestehe aus unentwegt schwarzer Erde. 203 Der einzige Baum auf den Hügeln müsse noch ein Sproß gewesen sein. 204 Mit Spänen aus harztriefenden Nadelholzstubben sollte ich nicht Spaßen. 205 Esel mit roter Blesse trabten im Paß, sie ritten mit mich. 206 Der Haken zweigt die Schwengel-Stange selber zum Schöpfen und Kehlen der Kelle. 207 Der Mond leuchtet halb ins Meer, er strahlt wie eine Brücke. 208 Das Gelände in erdlosen Verstrebungen kann wer erkennen? 209 Alles Gras schnitt dem Hasen, der es aß, Zunge und Lunge zueinander. 210 Das Hautfell löst sich vom Hals, bald alle Stellen. 211 Das Innere der Hütte wird vollgehängt mit schwarzen Fellen. 212 Das lehmgelbe Wasser ist warm und schmeckt gar nicht brackig. 213 Wie ein zwischen zwei Spuckblättern gestopfter Speikopf. 214 Das Messer ist an der Lehmbank gewetzt und es schneidet immer besser. 215 Schneegestöber füllt das Talgelände mit Talgflocken. 216 Das wieselgraue Pferd entfernt sich entlang der Drähte von der Herde. 217 Daß die Schwere wie an Kerben festgemachte Hängestricke wirkt. 218 Daß einmal aus meinen Klauen schallende Ziegenglocken hingen und zweimal klangen, weiß ich. 219 Bündel von Brot und Ähren tropften zotig von den Ästen. 220 Wie und daß es dröhnte, pfiff und klirrte in den Ohren verstörte mich? 221 Zwischen Sense und Zunder funkt es. 222 Bürstlingsgras, mit Paradieslilien fast Tüpfelfarn gestreiftem Beinahe-Seidelbast. 223 Bestien, Bären und Wölfe werden trächtig und getötet. 224 Wie Vieh harnt und Mist macht, schnalzt und wiehert die Stimme. 225 Ob meine zwei beiden reifen schwarzen Ribiselaugen Dolden oder Trauben? 226 Wie von der Kniepuppe geschnitzte Gelenke schlenkern. 227 Bevor ich das Fell abzog, immer schneide ich die Vordertatze ab. 228 Wie von Hand zieht sich ein Riff Streifen von Schilf und Büschen in die Flüsse. 229 Wie vor den Stromstellen versperrte Fuchswelpen-Felle schwimmende Seel’chen. 230 Wie Wasser, das durch die Ritzen zwischen den Stämmen quillt, schwimmt. 231 Lodern, daß Weißpappelnachttannen auf Waldzungen gewachsen sind zu Flammen. 232 Wie Knötchen unter der Baumrinde an Stützstangen gepflockt sind für den Zaun. 233 Wie die Rüben am Ende stumpfwurzelig gerupft sind, Blut, Milch, Wolle, Bors­ten. 234 Beim Gehen durch falbe Felder Sanddorn sehen und Schlehen. 235 Aus Drehspanten mit Astloch hängen Laschen ewiger am Knebel. 236 Aus Kirnringen tropften Körner in Ohrform: Kübelgriffe StückeAstrinde aus der Akazie. 237 Ich beginne um mein Leben atemlos zu bitten. 238 Schwer tropft das Wasser der häufigen Regen von den Bäumen. 239 Aus mir sind zwei geworden und aus uns beiden immer drei. 240 Aus steifstem Seidenstoff gestopfte Stützstrümpfe. 241 Wie zwischen Fessel und Schelle befestigte Zügel einen ziehen am Geschirr. 242 Zwei Lohden müßten östlich und eine Lohde westlich gesetzt stehen vom Weg. 243 Windig sticht mich nicht und stechen weder Mücke noch Wespe. 244 Wirf Kühen Kübelmilch ins Viehmaul und Molke zu zig Klauen. 245 Wie zwischen Kübelhaken und Mistgabel eingekesselt sein kann. 246 Ich bin ein Aprikosenast, der auf Birnenholz gepfropft ist. 247 Ich biege mich liegendnaß, geringelt als Natter. 248 Gerupft im Strumpfsack schreit ein blutverbeutelter Schnabelgeier dumpf. 249 Ich will ein aber mit abgekeiptem Schnabel rappenschwarzer Rabe sein. 250 Wie so Glücksknüttelchen der Espe – die Luftblasen der Kaurausche. 251 Ich bin ein zerschossener, mit weißem Zobel bekleideter Toter. 252 Ich bin um fünf Fingerbreiten fetter als meine Schulterblätter. 253 Nimm Leder aus der Brühe, daß es nicht verbrennt und fein jeder zerspleiße allein seines. 254 Ich nimm, ich fasle den gewirrten Strick auseinander und veröde mit Hitze die Litzen. 255 Wie das Ausschütten von Sud mit siedenden Füßen auf den Rasen. 256 Diese trostlos trockenen, aus Flins inseligen Hügel, die verbrühten. 257 Ich schnitt Hölzer zu für die Fäden zum Befestigen. 258 Wenn man mich mästet, steckt mich mit Schädelspeck und Schwarte auf den Schaft. 259 Wie Ameisen, die fliegen, sich durch Halmstengelchen zwängen, solche Ähren. 260 Ich stampfte, bis die Staub-Ebene Steppe verdampft ist. 261 Wie die Bastschuhspitze t’sickt und schnabelt ins dichtbelaubte Wurzelgras am Wasser. 262 Wie die ersten von der Sense getroffenen Gräser fäll’chen. 263 Ich spießte Stützpflöcke zwischen die Rippen gelitzt ins Stützkissen. 264 Ich tue Feuer auf das Lefzen-Fell der Kuh und fege mit brennendem Besen das Gehege. 265 Ich verzehrte die in Stücke würfelig gehackteste Zunge. 266 Zweige und Reiser, die mich im Vorübergehen streiften. 267 Ich und alle, alle Leute sind in Wirklichkeit gestorben. 268 Wie aus aufgemachten Mehlkisten Mehl auseinanderstiebend taub aufschwitzt. 269 Wirf beim Sparren der Schellenkuh geweihtes Glockenwasser in den Hufschaft der Schuhe. 270 Wie aus einer Wasserrinne silbern Strudelrosen hervorquillen ein Vlies. 271 Was immer ihr ringsum einsackt mit dem Fangseil, seid leise! 272 Ich soll auf vierzig Karrenladungen voll Holz zu Feuer werden. 273 Ich werde davonrasen wie ein Hase sich festbeißt am Steiß. 274 Ich werde mich niederlegen und wälzen als Pferd. 275 Vorsichtig, still und aufgepaßt will ich gehen. 276 Ich werde rennen, daß der Kot mir im Darm so dünn wird wie zwei Garn Zwirn. 277 Sagt, ich will mit Schellengeklingel und einem Glutscheit Vieh herumgetrieben haben. 278 Ich werde wie ein auf andere Bäume fallender Baum geschaukelt. 279 Was will ich mit einem Schwan anfangen, den ich nicht gefangen habe? 280 Ich wiehere schon mitten aus den Pelzfellwirbel’n meiner Rippen. 281 Wer sagt, daß meine aus zig Rückenstücken eines Zobels gefertigte Mütze schief sitzt? 282 Sich bücken und (es ist naß in der Grube) Wasser schöpfen. 283 Im Kessel selber schwimmt ein Schwamm brennender Zunder. 284 Im Mückenfeuer verglühende Back-Tiere glandern von teigtriefenden Scheitern. 285 Keine Ruderstange reicht hinunter auf den Boden vom Staksenfloß. 286 Wie einem Beeren aus Ebereschenzweigen mit Blutspitzen blühen, nicht wahr? 287 Klingender Winter; mit Jungeis steintot am Ufer, das dürr’ste und frostharte Gras. 288 Lohden, deren Kronen zusammengedreht mit Schnüren aneinander wringen, binden. 289 Ein Beil, die Zweig- und Laubaxt sichelte die Schnitz-Äste schäftig. 290 Ein Fuß stampft Tieren auf die Hufe: springt nicht höher als mein eingeknicktes Knie. 291 Gepolter schlug mich wie zum Bersten ins Baumherz, das von selbst zerbirst. 292 Ein grindiger Kopf tropft als Rotz-Kruste durch die Nase. 293 Mein Haus ist nicht unter­irdisch keines, nur verschneit, 294 Ein heller, Zirbelzapfensamer Rumpf dreht sich vielwipfelig rund. 295 Ein Roß ist drei Jahre lang angebunden und schon ganz hungrig. 296 Mein Scharrbrett hat drei Löcher in der Mitte der vier Enden. 297 Mit der Brise schwimmen ginstern kleine Inseln von losgerissenen. 298 Mit dem Füßchen einer Glanz-Meise bekritzeltes Futter. 299 Litzen umfranste Göpelchen spritzten gefitzt in jede Richtung Stricke. 300 Mit dem Gaumen schnalze ich, die Wunde raucht, und die Wampe brannte. 301 Vor dem Regen muhen die Schafe, kuckucken die Kühe. 302 Mit strammen Zitzen kitzt das Ziegenvieh zuviel. 303 Vierzig verziertere Trossen, ein so schöner Quast Knoten. 304 Morgen bin ich Haferkorn, bis heute franse ich Streu. 305 Morgens dumperte, abends dunkelte das taglichte Land, ganz. 306 Mit den Köpfen dreier vor dem Rufen des Kuckucks gefangenen Hechte nickt keiner. 307 Zwei Ratten, sie finden ein Ei, sie wollen es teilen, aber durch drei. 308 Nüsse knack und brich ich in Stücke zum Üben. 309 Nach der Art eines von Windböen geschaukelten, schaukelnden Baumes ein Ast. 310 Nur Töpfeflicken und Kessel fünfteln laß ich sein, das bringt nichts ein. 311 Puppen, deren Fransen mit Draht umwunden fast verpappt sind. 312 Quecksilber mischte ich in Wasser durch Siebe in den Kübel. 313 Rundum verdorrten die vom Baumstumpf zu den Zweigen ausgesparten Ösen ins Holz. 314 Ich rede vom Fluß, nicht mehr vom träumenden Riesen, der isterte und fließt. 315 Tue wie die Tulpen, und wie die Fliegen verblühen. 316 Über die Brust zum kleinen Finger der linken wird der Daumen zur anderen Hand. 317 Wie mein Kopf beim Heruntertropfen in den Rumpf verschwindet. 318 Ich wühle kehlartige Stollen und Wannen hohl ins löchrige Geröll. 319 Im Sommer habe ich das in den Sand abfließende Wasser nicht beobachtet. 320 Die Rußwurzeln bestrich ich mit Blut und Pulver zu Knollen. 321 Giebelchen durchbohrten die Wolke wie viele Nebel. 322 Mitten im Feuer zerfiele ich in meinen Gliedern zu vielen. 323 Verspröckelte Wirbelrücken finde ich in Riemen und immer Linien. 324 Die Taltafellandschaft zerlappt zu Tamarisken­getrüppten Büscheln. 325 Öl- und Maulbeerbäume, manchmal auch ein kleines Heide-Weinfeld. 326 Jeder Gabelast endigt mit nur einem rundlichen. 327 Seltener ein Hain zerzauster Eichen, jetzt tausende davon. 328 Ich hänge Puppen in die Suppe, Milch zum Glück und Vögel kleiner Bälger in die Zweige. 329 Filznissen und Tief-Wasserrisse mit Rippeln und Sumpfinseln im Geröllerdemergel und Flins. 330 Wie dort, bei der Biegung fließender Schnüre siebenspleißig Seile fliegen und verknoten. 331 Ich werde meine Asche absacken und verbergen in der Erde. 332 Wenn die Glandern am höchsten steigen, wirf ich Branntwein in die Glut, oder Brot. 324 Ich habe die abgelöste Rinde wieder um die Birke gegürtet im Kreis und verschirrt mit ihrem Reisig. 334 Wie mein erbärmliches, falbes Holzpferd den Wolf überholt. 335 Dann die Kastanien, die gelben Farben der Farne und Gräser, ihre stippig-Gips-blühenden Laubtupfer. 336 Schuttrunsen verpappte Tüll-splittrige Haub-Mützen. 337 Dein Schnäbelchen, mein Eß-Häkchen, mein Schädelchen, dein Trink-Schälchen. 338 Kieselgras und niedrige Pistazien im Geröll der Küste, nur einzelne Kiefern. 339 Ich beginn zu sprechen mit meinem einzigen Kopf. 340 Meine Arme wurden weggeblasen als Asche. 341 Ein Seehund ist zu sehen, ein drehendes Brett im Strom. 342 Ein Espenblatt fiel auf meine Wangen, ein Zitterblatt beziffert mein Gesicht. 343 Das Garnzahnrad stuckert, und die Dächsel sirren, sie spindelten sich Zwirn. 344 Eine Münze ist mir taub ins Gras gefallen und glänzt und brennt Stillen in den Wiesensüd, noch immer. 345 Vom Baum hingen, in der Hitze des Mittags, Winde wie lumpige Hunde herunter. 346 Und das Lefzenbein füllten die dickbäuchigen, umbugigen Ungelenke. 347 Am Kreuz dreier Wege, wo drei Eiben je einen Weg verstreben, quere Erlen. 348 Auf der Tenne sind Gänse zum Äsen und Fressen feist aufgesprossen. 349 Aus den Spanten der Gabel-Darre Siebe wie auf Zwieseln. 350 Aus der Nabelwanst der Wampe asseln Fühler und Würmer. 351 Aus einer Darrenwand harfen die Ähren der Garben. 352 Wie der Rauch dick wird in der Hütte des Heizers. 353 Außer Blut sollte ich noch Nägel und Pfoten verwenden zum Opfer. 354 So viele Fell-reifbedeckte Pferdeköpfe stampften die Felder fest. 355 Das Füllen hat ziemlich schiefgetretene Hufe zum Stiefel. 356 Der Schneesturm hat das Zelt meiner Hütte aufgeschlitzt – mit Firn gefüllt. 357 Ein See hat die Gestalt eines Karauschendarms angenommen. 358 Der Schnabel der Scharbe hat sich zum Stachel verfangen der Dornangel. 359 Heidestriche, die sich zwischen Moorästen wie Kranichzehen nach ihren Richtungen verkrallten. 360 Das Flußufer hat die Halm-schmale, Brand-Schilf-randige Anwendung zerfalzt. 361 Durch die Ritzen in der Diele schimmer’ne Türchen. 362 Durch Rauchöffnungs-Reifen herausgreifendere Korallen. 363 Ein mit einem Ende eines gespal­tenen Stocks verklammerter anderer, der sich aber nie gabelt. 364 Einer den Fuß des anderen derart haltend, daß

sie beide gekreuzt sind, und wir hüpfen. 365 Es bewölkt sich, zig Mücken schweben, schwirren, es wird regnen. 366

Prof. Oswald Egger

02.05.2013

Sprache und Gestalt

Auf ein Wort

„Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen.“ – Edward Sapir (1921)

„Weil das geistige Wesen des Menschen aber die Sprache selbst ist, darum kann er sich nicht durch sie, sondern nur in ihr mitteilen.“ – Walter Benjamin (1916)

Im Kommunikationsdesign begegnet Ihnen „Sprache und Kommunikation“ als eigenes Lehrgebiet. Sprache wird darin eingeführt als Instrument, mit dem wir aus einer einfachen Information eine aufmerksamkeitsstarke, relevante und effektive Botschaft gestalten können. Die Typografie zeigt gleichmöglich, in welchen Formen Sprache Gestalt annehmen kann. Im Bereich der Strategischen Kommunikation lernen Sie darüber hinaus, Sprache auch in andere Zeichensysteme einzubringen, um neue, eindrückliche, oft auch überraschende Kommunikationslösungen zu finden. Dies gilt für Aufgaben aus dem Bereich der Kultur ebenso wie für Bereiche der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.

Neben dem systematischen, zielorientierten Arbeiten mit der Sprache gibt es auch ein ausgedehntes Angebot für den freieren und künstlerischen Umgang in ihren Elementen und Ideen. Die Frage, was Sprache ist, soll dabei unentwegt eher gestellt als beantwortet bleiben, dagegen wortwörtlicher und verschwenderischer eingesetzt als zur Verständigung allein. Nachdem Sie in den ersten Semestern die Grundlagen dementsprechend kennen lernen, werden Sie in den Projekten der höheren Semester Gelegenheit finden, Ihre Eigenart und Prägung, quasi Ihre persönliche Handschrift und auch Ihre charakteristische und schöpferische Gestalterpersönlichkeit zu entfalten und dabei Ihre spezifischen Fähigkeiten Wort für Wort zu vertiefen.

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Prof. Oswald Egger
0431 – 5198-0, oswald.egger@muthesius.de

Prof. Wolfgang Sasse
0431 – 5198-457, wolfgangsasse@muthesius.de